Musik

Hier ist der Link zu den Videos auf unserem YouTube-Kanal.

Und hier ist der Download-Link zu unsrer CD “Live im Schloss Kleiningersheim” –

Es ist geschafft – seit Chanukka 2014 / Weinachten 2014 sind die Texte aller Lieder auf unsrer CD “Live im Schloss Kleiningersheim” auf unsrer Seite nachzulesen.

Es gibt viele Seiten mit jiddischen Liedern im Netz/Internet/www. Deshalb ists am einfachsten, wenn wir zu einer dieser Seiten verlinken. Aber bei etlichen Liedern scheinen wir die Ersten zu sein, die deutsche Übersetzungen ins Netz stellen – es wird also eine lange Seite mit viel Text!

Noch ein paar Anmerkungen zur Schreibweise / Transskiption: Jiddisch wird mit hebräischen Buchstaben aufgeschrieben. Es sind zwar großteils Wörter aus dem Deutschen, aber für ein deutsches -B- wird ein hebräisches -Beth- geschrieben, für ein deutsches -Ch- ein hebräisches -He- (mit Dagesh).  Wenn man dann die Texte in die deutsche Schrift transskribiert, sind die Laute teilweise nicht eindeutig zu übertragen. Das Yidishe visnshaftlekhe institut in Wilna hat ab 1925 ein verbindliche Lösung für die Übertragung geschaffen. 1940 wurde der Sitz nach New York verlegt, bevor die deutschen Besatzer 1941 dann das Institut zerstörten. Seitdem wird das Jiddische in die lateinische Schrift so übertragen, daß es für Englisch-Sprechende passt, und dem schließen wir uns an, auch wenn es zunächst etwas kompliziert aussieht: Ein stimmhaftes -S- wird also ein -Z-, das im Englischen als stimmhaftes -S- gesprochen wird. Ein deutsches -Z- aber wird als -ts- geschrieben, denn einen eigenen Buchstaben für diesen Laut gibt es im Englischen nicht. Mit -j-, -y-, -i- ists auch nicht einfach. Aber mit Geduld und Übung klappts….Und auch wenn die Transskription nicht überall ganz genau stimmt: Auf das gesungene Lied kommts an!

03 schabbess

1. Shabes, shabes, shabes, shabes, shabes
Zol zayn brider shabes
shabes zol zayn, shabes zol zayn
Shabes oyf der gantser velt.

1. Sabbat möge sein, Brüder, auf der ganzen Welt!

2. Yontev zol zayn brider yontev,  oyf der gantser velt.

2. Fest- und Feiertag möge sein, auf der ganzen Welt!

3. Sholem zol zayn brider sholem,  oyf der gantser velt.

3. Frieden möge sein auf der ganzen Welt!

4. Sholem zol zayn shvester sholem,
Sholem, Yontev, Shabes oyf der gantser velt.

4. Frieden möge sein, Schwestern,
Frieden, Festtag, Sabbat auf der ganzen Welt!


04  der rebe elimelekh

Es ist ein Lied von Moyshe Nadir. Er wurde in Galizien geboren und wanderte mit den Eltern 1898 nach New York aus. Als assimilierter Jude karikiert und persifliert er mit diesem Lied die, für ihn, gegenaufklärerische exaltierte chassidische Frömmigkeit.

Die Lieder 06, 07, 08, 10 und 11 stammen aus der Feder von Mordechaj Gebirtig, einem der wichtigsten jiddischen Liederdichter.

06 Sheyndele 

Ein Lied über die Liebe. Oder ist Ökonomie wichtiger?

1. Mame: Farwoss wejnstu, Schejndele, techterl du mejn,
dajne heisse trerelech rirn bis zum bejn,
dajne heisse trerelech soln gejn zu got.
Sog, was kwelt dich, far a mamen
tor nischt sejn kejn ssod.

Warum weinst du, Schejndele, Töchterchen mein,
deine heißen Tränchen rühren bis ins Mark,
deine heißen Tränchen sollen gehn zu Gott,
was quält dich, für eine Mutter kein Geheimnis.

Techterl: -Oj wej, mame, got getrajer !
In majn harzn brennt a fajer,
ebbes wi farkishevt ch´volt gewen,
ebbes hot mit mir getrofn,
ch´ken nit essen, ch´ken nit schlofn,
ch´wejss nit mame, wos is mir geschen.

– Oh weh, Mutter, Gott, getreuer !
In meinem Herzen brennt ein Feuer,
etwas Verzaubertes ist gewesen
etwas hat mich getroffen,
ich kann nicht essen, kann nicht schlafen,
ich weiß nicht, Mutter, was mir ist geschehen.

2. Mame: Efscher tut wej s´kepele, techterl du majn,
efscher a bejs ojgele, s´ken als miglech sejn.
jedn tog schadchenimlech schlogn op di tir,
wersst mit masl bald a kale far a rajchn gwir.

Vielleicht tut weh das Köpfchen, Töchterchen mein,
vielleicht ein böser Blick, es kann alles möglich sein,
jeden Tag Heiratsvermittler klopfen an die Tür,
wirst mit Glück eine Braut für einen reichen Herrn !!!!

Techterl: -Oj wej, mame, ch´wel entlojfn,
ch´wil far gelt sich nischt farkojfn,
s´hot a bocher mir sich schojn derklert,
Jossele, woss wojnt derlebn,
ohn im ken ich mer nischt lebn.
im nor lib ich, er is mir baschert.

– Oh weh, Mutter, ich will weglaufen,
ich will für Geld mich nicht verkaufen,
es hat ein Junge mir sich schon erklärt,
Jossele, der wohnt daneben,
ohne ihn kann ich nicht mehr leben,
ihn nur lieb ich, er ist mir beschert.

3. Mame: Wos is mit dir, Schejndele, techterl du majn,
Jossele der schnejder-jung, er dajn man soll sajn?
Werst doch baj im hungern, lajdn nojt un kelt,
zwaj dalejssim gejen tanzn ohn a groschn gelt.

Was ist mit dir, Schejndele, Töchterchen mein?!
Jossele, der Schneiderjunge, er dein Mann soll sein?!
Wirst doch bei ihm hungern, leiden Not und Kälte,
zwei Elende gehn tanzen ohne ein Groschen Geld….

Techterl: – Wos mir kelt un wos mir hunger,
ich bin jung un er a junger,
grojss wet sajn far unds di klejnsste schtub.
ch´wel mit trukn brojt sich nern,
Jossele mus majner wern,
mamenju, du wejsst nischt woss hejsst lib !

– Was ist mir Kälte, was mir Hunger,
ich bin jung und er ein Junger,
groß wird sein für uns die kleinste Stube.
Ich will mit trocken Brot mich nähren,
Jossele muß meiner werden,
meine Mame, du weißt nicht, was Liebe ist !

4. Mame: Ch´wejss, ch´wejss, ch´hob techterl, mitlejd schtark mit dir,
ojfgewekt an alte wund tif in harz baj mir
ojfgewekt an alte wund, jorn fil farbej,
besser schwajgn, nischt dermonen, ss´tut noch asoj wej.

Ich weiß, ich habe, Töchterchen, Mitleid stark mit dir,
aufgeweckt eine alte Wunde tief im Herzen bei mir,
aufgeweckt eine alte Wunde, viele Jahre vorbei,
besser schweigen, nicht erinnern, es tut noch so weh.

Techterl: – Oj wej, Mame, got getrajer,
ejvik brenen soln in fajer
di woss hobn ojssgetracht doss gelt.
Mamenju, ich hob baschlossn,
Jossele mus sajn majn khossn,
im nur lib ich, er nor mir gefelt.

– Oh weh, Mutter, Gott, Getreuer,
ewig brennen sollen im Feuer,
die das Geld erfunden haben!
Mütterchen, ich habe beschlossen,
Jossele muß sein mein Bräutigam,
ihn nur lieb ich, er nur mir gefällt!

07 Rejsele

Ein Lied von der Liebe zwischen Rejsele und David

1. shteyt zikh dort in gezele, shtil fartrakht a hayzele,
drinen oyfn boydn-shtibl voynt mayn tayer reyzele.
yedn ovnt farn hayzl drey ikh mikh arum,
kh´gib a fayf un ruf oys: reyzel kum, kum, kum !

1. Steht dort in der Gasse, still verträumt ein Häuschen.
Drinnen auf dem Dachboden wohnt mein liebes Rejsele.
Jeden Abend vor dem Häuschen dreh ich mich herum,
ich pfeife und rufe: Rejsel, komm, komm, komm.

2. efnt zikh a fenzterl, vakht oys alte hayzele,
un bald klingt in shtiln gezl a ziz kol:  ez red reyzele:
nokh a vayle vart mayn liber bald ver ikh zayn fray.
gey zikh nokh a por mal iber, eynz, tsevy, dray.

2. Es öffnet sich ein Fenster, das alte Häuschen wacht auf,
und bald klingt in der stillen Gasse die süße Stimme von Rejsele.
Warte noch eine weile mein Lieber, bald bin ich frei (habe Zeit),
geh doch noch ein paar mal vorbei, eins, zwei, drei

3. gey ikh mir a freylekher, zing un knak mir nizelekh,
her ikh oyf di treplekh shrpingen ire drobne fizelekh.
shoyn arop fun letstn trepl kh´nem zi lib arum.
kh´gib ir shtil a kush in kepl, kum, kum, kum.

3. Geh ich fröhlich umher, singe und knacke mir Nüsse,
höre ich auf den Treppenstufen springen, ihre kleinen Füßchen.
Schon auf der letzten Stufe nehme ich sie in den Arm,
gebe ihr still einen Kuss auf den Kopf, komm, komm, komm.

4. kh´vel dikh betn dovidl, zolzt aroyf nisht fayfn mer.
er fayft shoyn vider zot di mame. zi´z frum´z  fardrizt zi zeyer.
fayfn zogt zi iz nisht yidish, z´pazt nor bloyz far zey.
gib a tseykhn prozt oyf yidish, eynz, tsvey, dray.

4. Ich möchte dich bitten, David, sollst nicht mehr hier pfeifen.
Hörst du, er pfeift schon wieder, sagt die Mutter, sie ist fromm,
es stört sie sehr. Pfeifen sagt sie, ist nicht jüdisch, bring es ihm bei.
Gib ein Zeichen auf jiddisch, eins, zwei, drei

5. kh’vel aroyf nit fayfn mer, deroyf gib ikh a shvuele,
dir tsulib vel ikh afile vern frum, mayn tsnuele.
kh´vel zayn ven du vilzt nor reyzel vi dayn mame frum,
yedn shabes geyn in kleyzl, kum kum kum.

5. Ich werde ab heute nicht mehr pfeifen, das schwöre ich dir!
Dir zu lieb werde ich fromm meine Liebe!
Ich werde sein, wenn du willst, so fromm wie deine Mutter.
Jeden Sabbat geh ich in die Synagoge,     komm, komm, komm

6. kh´gloyb ez dir mayn libinker un derfar dir dovidl,
shtrik ikh a sheyn tfilin-zekl mit a mogn-dovidl.
ven´z gefelt in kleyzl zogn zolztu zey:
´hot geshtrikt mayn libe Reyzel, eynz, tsvey, dray.

6. Ich glaube es dir mein Lieber, und dafür David,
stricke ich dir einen Beutel mit einem Davidstern für deinen Gebetsschal.
Wenn es in der Synagoge gefallen wird, sollt du sagen:
Es hat meine liebe Rejsel gestrickt, eins, zwei, drei.

7. kh´dank far dayn matonele, kh´lib azoy dikh reyzele,
kh´lib dayn mame, kh´lib dos  gezl, kh´lib dos alte hayzele.
kh´lib di shteynlekh nebn hayzl, tretst oyf zey arum,
her, dayn mame ruft shoyn:  reyzel kum, kum, kumIch danke dir für dein

7. Ich danke Dir für Dein Geschenk, ich liebe dich so, Rejsele.
Ich liebe deine Mutter, ich liebe die Gasse, ich liebe das alte Häuschen.
Ich liebe die Steine neben dem Häuschen, auf denen du gehst.
Hör, deine Mutter ruft schon: Rejsel, komm, komm, komm

8. gey ikh mir a freylekher, zing un knak mir nizelekh,
her ikh oyf die treplekh loyfn ire drobne fizelekh.
vider shteyt fartrakht dos hayzl, z gezl vider shtum.
kum tsu mir in kholem, reyzel, kum, kum, kum.

8. Geh ich fröhlich umher, singe und knacke mir Nüsse,
höre ich auf den Treppenstufen springen, ihre kleinen Füßchen.
Wieder steht verträumt das Häuschen, die Gasse wieder still.
Komm zu mir im Traum, Rejsel, komm, komm, komm

 

08 Awrejml der marwicher

Eine Fallstudie über einen Straßenjungen, der keine andere Über-Lebens-Möglichkeit hat außer kriminell zu werden.

Abrahamchen, der Verdiener

1. on a heim bin ich jung gebliben
s’hot di nojt mich arojs getriben
wen ich hob noch keyn dreizen jor gehat
in der fremd, wajt fun mames ojgen
hot in schmutz mich di gas dertzojgen
gevorn is fun mir a vojler jat.
1. Ohne ein Heim bin ich als junger Mensch gewesen:
Es hat die Not mich herausgetrieben
als ich noch keine dreizehn Jahre alt war.
In der Fremde, weit von Mutters Augen
hat im Schmutz mich die Gasse erzogen –
geworden ist aus mir ein flotter Junge.

Refrain 1:
Ich bin Avrejml der feikster marvicher
a grojser kinstler, ich arbet lajcht un sicher
dos erschte mol, ch’vel’s gedenken bisn tojt
arajn in tfise far lakchenen a brojt, oj, oj
ch’for nischt ojf markn, wi jene proste jatn
ch’tsip nor baj karge schmutsike magnatn
ch’bin sich mechaje ven ch’tap asa magnat
ich bin Avrejml, gur a vojler jat.

Refr. 1: Ich bin Abrahamchen, der fähigste Verdiener,
ein großer Künstler, ich arbeite leicht und sicher.
Das erste Mal, ich werde daran denken bis zum Tod,
hinein ins Gefängnis fürs Klauen von nem Brot, oj, oj –
Ich fahre nicht auf Märkte wie jene gewöhnlichen Jungen,
nein, ich zupfe nur bei geizigen, schmutzigen Magnaten!
Ich bin entzückt, wenn ich so einen Magnaten erwische –
ich bin Abrahamchen, gar ein flotter Junge.

2. in der fremd, nischt gehat zum lebn
gebetn brojt, an ormer flegt noch gebn
nor jene lajt wos senen tomid sat
flegn oft trajbn mich mit zorn
s’vakst a ganev, s’is mekujem geworn
a ganev bin ich, nor a vojler jat.

2. In der Fremde nichts gehabt zum Leben,
gebeten um Brot, ein Armer pflegt noch zu geben.
Nur jene Leute, welche immer satt sind,
die pflegen mich oft fortzutreiben mit Zorn.
Es wächst ein Dieb, es ist mir zur Pflicht geworden –
ein Dieb bin ich, aber ein flotter Junge.

3. shojn nisht lang vet dos shpil gedojern
krank fun klep, gicht fun tfise mojern
nor ejn bakoshe, ch’volt azoj gevolt
noch majn tojt in a tog a tribn
zol ojf majn matsejve shtejn geshribn
mit ojsjes grojse un fun gold:

3. Nicht mehr lange wird das Spiel dauern,
krank von Schlägen, Gicht von Gefängnismauern.
Nur einen Wunsch, den hätte ich:
nach meinem Tod, an einem trüben Tag,
soll auf meinem Grabstein geschrieben stehen
mit Buchstaben, großen und aus Gold:

Refr.3: Do ligt Avrejml der feikster marvicher
a mentsch a grojser gewen wolt fun im sicher
a mentsch a fajner mit hartz, mit a gefil
a mentsch a rejner wi got alejn nor wil, oj, oj
wen iber im wolt gewacht a mames ojgn
wen s’wolt di fintstere gas im nischt dertzojgn
wen noch als kind er a tatn wolt gehat
do ligt awrejml, jener vojler iat.

Refr. 3: Da liegt Abrahamchen, der fähigste Verdiener,
ein großer Mensch wäre sicher aus ihm geworden,
ein feiner Mensch, mit Herz, mit Gefühl,
ein Mensch, ein reiner, wie Gott allein nur will, oj,
wenn über ihn gewacht hätten einer Mutter Augen,
wenn es hätte die finstere Gasse ihn nicht erzogen,
wenn noch als Kind er einen Vater gehabt hätte –
da liegt Abrahamchen, jener flotte Junge.

10 Blayb gezunt mir, Kroke –  Bleib gesund mir, Krakau!

Das Lied, mit dem sich Gebirtig von seiner Stadt verabschiedet.

1. Blayb gezunt mir, Kroke!  Blayb-zhe mir gezunt.
s’vart di fur geshpant shoyn far mayn hoyz.
sS’traybt der vilder soyne vi men traybt a hunt
mit akhzaryes mikh fun dir aroys.

1. Bleib gesund mir, Krakau! Bleib du mir gesund.
Es wartet der Wagen angespannt schon vor meinem Haus,
es treibt der wilde Feind wie man treibt einen Hund
mit Grausamkeit mich aus dir heraus.

2. Blayb gezunt mir, Kroke! Ikh zey dikh efsher haynt
s’letste mol mit alts vos lib iz mir.
af mayn mames keyver s’harts zikh oysgeveynt.
shver geven dos shaydn zikh mit ir.

2. Bleib gesund mir, Krakau! Ich seh dich vielleicht heute
das letzte Mal mit allem, was mir lieb ist.
Am Grab  meiner Mutter hat das Herz sich ausgeweint,
schwer war mir das Scheiden von ihr.

3. Blayb gezunt mir, Kroke! Heylik iz dayn erd
Tate-mame ruen dokh in ir.
Nebn zey tsu lign iz mir nisht bashert,
s’vart a keyver ergets vayt af mir.

3. Bleib gesund mir, Krakau! Heilig ist deine Erde,
Vater, Mutter ruhen doch in ihr,
neben ihnen zu liegen ist mir nicht beschert,
es wartet ein Grab irgendwo weit von hier auf mich…

Krakau, 24. Oktober 1940

11 Hey, klezmorim

1. Hey, klezmorim, gute brider
ir bakumt fun mir oykh vayn
shpilt mir oyf a freylekh lidl,
shleft mayn moyre-skhoyre ayn.

1. Hej, Musikanten, gute Brüder,
ihr bekommt von mir auch Wein,
spielt mir ein fröhliches Liedchen,
dann schläft meine traurige Angst ein.

2. Troyerik iz mir oyfn hartsn,
kh’fil dort epes nogt un kvelt
z’bengt nokh epes mayn neshome
un ikh veyz nisht vos mir felt.

2. Traurig ist es in meinem Herzen,
ich fühle, dort nagt und quält etwas.
Meine Seele sehnt sich nach etwas,
und ich weiß nicht, was mir fehlt.

3. Shpilt farvigt mit ayere tener
mir dem umet in mayn harts,
vi mayn mame flegt farvign
mit a lidele mayn shmerts.

3. Spielt, verwiegt mit Euren Tönen
mir den Unmut in meinem Herzen,

so wie meine Mutter verwiegte
mit einem Lied meinen Schmerz.

4. Shpilt mir oyf a freylekh lidl
epes shpilt ir troyerik haynt
z’veynt dos fleytl, z’veynt der fidl
alts arum mir epes veynt.

4. Spielt mir ein fröhliches Liedchen,
etwas traurig spielt Ihr heute.
Es weint die Flöte, es weint die Geige,
wie wenn etwas um mich herum weint.

5. Hey, klezmorim, gute brider
ir bakumt fun mir oykh vayn
shpilt mir oyf a freylekh lidl,
shleft mayn moyre-skhoyre ayn.

13 di grine kuzine

Das Lied berichtet über die Cousine, die nach Amerika ausgewandert ist in der Erwartung eines traumhaften Lebens im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.  Aber sie war ein ahnungsloses “Greenhorn” und hatte nur Illusionen darüber, was auf sie  zukommen sollte: Sie wird bitter enttäuscht – sie wird als Arbeiterin ausgebeutet und laugt immer mehr aus.

14 Bay mir bistu sheyn

Dieses Lied ist wohl der größte jiddische Hit und wurde in vielen Sprachen gesungen. Es war ein Song in einem jiddischen Musical der 30-er Jahre. Es ist ein sarkastisches und liebevolles Lied….

Ven du zolst zayn shvarts vi a tuter
ven du host oygn vi bay a kuter
ven du hinkst tsu bislakh
host hiltserne fislakh
zog ikh dos art mihk nit.
Ven du host a narishem shmeykl,
un ven du host Vayzosos seykhl,
ven du bist vild vi indianer,
bist afile galitsianer,
zog ikh dos art mihk nit.

Bay mir bistu sheyn,
bay mir hostu cheyn
bay mir bistu eyne oyf der velt.
bay mir bistu git,
bay mir hostu “it”
bay mir bistu tayerer fun gelt.
Fil sheyne meydlehk hobn gevolt nehmen mir,
fun zey ale oys-geklibn hob ikh nor dikh.

Wenn Du bist schwarz wie ein Tatar,
wenn Du Augen hast wie ein Kater,
selbst wenn du immer wieder hinkst,
hölzerne Füße hast:
Ich sag, das stört mich nicht!
Wenn Du ein närrisches Lachen hast,
wenn Du keinen Verstand mehr hast,
wenn Du wild bist wie ein Indianer,
sogar so wie einer aus Galizien:
Ich sag, das stört mich nicht!
Für mich bist Du wunderbar,
für mich hast Du Anmut,
bist Du die Eine auf der Welt,
bist Du gut, hast Du “es”,
bist Du teurer als Geld!
Viele Mädchen nähmen mich –
Dich hab ich ausgesucht!

15  Vot ken you makh? Es iz Amerike!

Auch dieses Lied singt von der Emigration von Osteuropa in die USA und vom Zusammenprall der Kulturen: So wie es vielleicht heute mancher Bauersfamilie aus Ostanatolien in der BRD ergeht, waren die liberalen Normen im New York des beginnenden 20. Jahrhunderts für die sehr traditionell geprägten Ostjuden eine echte Herausforderung: Was willst Du machen? So ist Amerika…  Bei youtube gibts die Originalversion von Aaron Lebedeff, einem der größten Stars der jiddischen Broadway-Musicals in den 20er-Jahren, zu hören.

1. Keyn Amerike tzu kumen, hob ikh keyn mi geshport,
kh’hob gedenkt a rov tzu vern un farlosn zikh a bord.
Kh’hob gehat tzvey sheyne peyes, vi yeder frumer yid
Tzum sof onshtot a bord hob ikh di peyes oykhet nit.

Um nach Amerika zu kommen hab ich keine Mühe gespart!
Ich dachte, ich werde dort erwachsen und lass mir einen Bart wachsen.
Ich hab zwei schöne Schläfenlocken gehabt, so wie jeder fromme Jude –
zum Schluß hatte ich dann anstatt eines Bartes auch keine Schläfenlocken mehr…

Vet ir mir fregn: S’taytsh? Vi ken dos zayn?
Der terets derfun iz, libe fraynt mayn’:

Vot ken you makh? Es iz Amerike!
Do in land do putzt men zikh azoy.
Vot ken you makh? Es iz Amerike!
Afile der yid hot dem ponim mitn goy.

Az fun peyes do zet men bay keynem nit keyn shpor,
Do trogn zikh di peyelech ale meydlekh gor.

Ihr fragt mich: Was ist los? Wie kann das sein?!
Die Antwort darauf, meine lieben Freunde:
Was kannst / willst Du machen? So ist Amerika!
Dort im Land schmückt man so halt so!
Was kannst Du machen? So ist Amerika!
Da sieht der Jude sogar aus wie der Nicht-Jude.
Denn von Schläfenlocken sieht man bei keinem nicht keine Spur,
da tragen vielmehr die Mädchen alle die Schläfenlocken.
Vot ken you mach? Es iz Amerike,
S’iz Amerike, un vot ken you makh?

Was kannst Du machen? So ist Amerika!
So ist Amerika, was willst Du machen?

Az do in Amerike iz altzding farkert,
Di mener – zey sheyvn zikh, un bay di vayber shprotzn berd.

Da in Amerika, da sind alle Dinge verkehrt,
Die Männer – sie rasieren sich, und bei den Frauen wachsen die Bärte…

Vot ken you mach? Es iz Amerike!
Oy, Amerike, un bol’she nye tchevo!

Was kannst Du machen? So ist Amerika!
Oj, so ist eben Amerika und das ist alles!

2. In Yurop makht men khasene yunge meydlekh gor,
Un nakher hobn zey kinder, vi es firt zikh punkt tzum yor,
In Amerike iz gor andersh, me nemt zikh zayt on shir
Me hot khassene do shpeter, nor di kinder hot men frier

In Europa macht man die Hochzeit, wenn die Mädchen jung sind,
und nachher haben sie Kinder, wie sichs gehört nach einem Jahr.
In Amerika ists ganz anders, man nimmt sich Zeit ohne Ende,
man macht die Hochzeit später, aber die Kinder kriegt man schon früher.

Vet ir mir fregn: S’taytsh? Vi ken dos zayn?
Der terets derfun iz, libe fraynt mayn’:
Vot ken you mach? Es iz Amerike.
Do ken pasirn altz, zog ikh aykh,
Vot ken you mach? Es iz Amerike,
Az do aylt men zikh dokh mit a yeder zakh.

—dort kann alles passieren, sag ich Euch!!
—denn dort hat man es eilig mit jeder Sache.

Do zukht men tzu seyvn ekspenses af gevis,
Derfar makht men di khassene tzuzamen mitn bris!

Dort sucht man die Ausgaben zu sparen so sehr es nur geht:
deshalb macht man dann die Hochzeit zusammen mit der Beschneidungsfeier.

Vot ken you mach? Es iz Amerike!
S’iz Amerike un vot ken you mach!

Az khosn-kale fun der khupe aheym nor me geyt
Iz shoyn dortn a vigele mit a kind oykh ongegreyt!

Wenn Bräutigem-Braut vom Traubaldachin heimgehen
steht dort schon die Wiege und auch schon ein Kind darin.

Vot ken you makh? Es iz Amerike!
Oy, s’iz Amerike aleyn un ‘dets ol’

Was willst Du machen? So ist Amerike!
Oj, so ist eben Amerika und das ist alles!

 

16 Hop, majne Homentaschn  

1. Jachne Dwoshe fort in shtot, si holt sich in ejn pakn,
fort ojf Purim kojfn mel, homentaschn bakn.

1. Jachne-Dvoshe fährt zur Stadt sich ein Paket zu holen.
Sie fährt für Purim Mehl zu kaufen um Homentaschen zu backen.

Refrain: Hop, majne homentaschn, hop, majne wajsse!
Hop, majne homentaschn, is passirt a majsse.

Refrain: Hoppla, meine Homentaschen, hoppla meine Weißen
Hoppla, meine Homentaschen, es ist eine Geschichte passiert.

2. ‘Ss gejt a regn, ss’ falt a shnej, ‘Ss kapet fun di decher,
Jachne firt schojn di kornmel, in a sak mit lecher.

2. Regnen tut’s und es fällt Schnee, es tropft von den Dächern,
Jachne führt jetzt Kornmehl mit sich – in ‘nem Sack mit Löchern!

3. Nit kajn puter, nit kajn mon, ojch fargessn hejwn.
Jachne macht schojn homentaschn, ‘Ss bakt sich schojn on ojwn.

3. Keine Butter und kein Mohn, auch die Hefe hat sie vergessen,
so macht Jachne Homentaschen und bäckt sie schon im Ofen…

4. Jachne trogt schojn schalechmoness zu der bobe Jente,
zwej, drai schvarze homentaschn, halb roj, halb farbrente.

4. Jachne überbringt hübsche Purimgeschenke zu der Oma Jente:
zwei, drei schwarze Homentaschen, halb roh, halb verbrannte …

20 Mir zainen ale brider

 

Vordergründig ein lustiges Liedlein – aber dahinter steckt jiddische Selbstironie. Z.B. wird das jiddische Wort “freylakh” – “fröhlich” im Englischen mit “gay” übersetzt.

Un mir zainen ale brider, oi, oi, ale brider,
Un mir zingen freileche lider, oi, oi, oi!

Wir sind alle Brüder,
und wir singen fröhliche Lieder.

Un mir haltn zich in einem
Azelches iz nito bai keinem,

Und wir halten fest zusammen,
sowas gibts bei anderen nicht!

Un mir zainen ale einik
Tzi mir zainen fil tzi veinik.

Und wir sind uns alle einig,
aber wir sind eben viel zu wenige!

Un mir libn zich doch ale,
Vi a chosn mit a kale

Und wir lieben uns alle einander,
so wie Mann und Frau das tun….

Un mir zainen ale freilach,
wi Jonathan un David hamelekh

Und wir sind alle fröhlich,
so wie Jonathan und König David.

Un mir zainen ale shvester,
Azoi vi Rochl, Ruth, un Ester

Und wir sind alle Schwestern,
so wie Rahel, Ruth und Esther.

 

17 shprayz ikh mir

Ein fröhliches Sauflied über einen jiddischen Hans im Glück

18 lomir ale zingen

Dieses Lied handelt, wie viele andere auch, von der Ungleichheit zwischen den Menschen – anschaulich werden Essensverschiedenheiten beschrieben. Und dann wieder so eine Art witzige Melodie und Sarkasmus…

Refrain:
Lomir ale zingen a zemerl
Lechem leechol
Bosor vedogim vechol matamim.

1. Zog zhe mir, tatenyu, vos is lekhem?
Bay di groyse gewirim is lekhem a bulke,
Ober bay undz arme kabtsonim, oy, kabtsonim,
iz lekhem a dare shkorinke, nebekh.

2. Zog zhe mir, tatenyu, vos is bosor?
Bay di groyse gevirim is bosor an indik,
Ober bay undz arme kabtsonim, oy oy oy,
Iz bosor a dare kishke.

3. Zog zhe mir, tatenyu, vos is dogim?
Bay di groyse gevirim iz dogim a hecht!
Ober bay undz kabtsonim, oy kabtsonim,
Iz dogim a gevjonselter hering.

4. Zog zhe mir rebenyu, matamim is vos?
Bay di groyse gevirim iz matamim kompott,
Ober bay undz kabtsonim, oy oy oy,
Iz matamim gehakte tsores, nebekh.

Refr.: Lasst uns alle ein Liedlein singen –
von Brot, Fleisch, Fisch und Nachtisch.

1. Sag mir, mein Vater: Was ist Brot?
Bei den großen, reichen Leuten ist Brot ein Weißbrot.
Aber bei uns Armen ist Brot eine trockene Rinde.

2. Sag mir, mein Vater: Was ist Fleisch?
Bei den großen, reichen Leuten ist Fleisch eine Pute.
Aber bei uns Armen ist Fleisch ein Wurstzipfel.

3. Sag mir, mein Vater: Was ist Fisch?
Bei den großen, reichen Leuten ist Fisch ein Hecht.
Aber bei uns Armen ist Fisch ein mickriger Hering.

4. Sag mir, mein Vater: Was ist Nachtisch?
Bei den großen, reichen Leuten ist Nachtisch ein Kompott.
Aber bei uns Armen ist der Nachtisch gehackte Wut und Trauer.

 

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