Programm

Unser Programm war anfangs eine “musikalisch-kulturelle Zeitreise mit Liedern, Bildern und Geschichten” – wir wollten und wollen damit die verschwundene Welt der Shtetl (Wiki) in Osteuropa lebendig machen.

Nach vielen Jahren und Konzerten haben wir nun einige Module im Programm, die jeweils für die Konzerte, Auftritte, Ausstellungseröffnungen, Feste, Geburtstagsfeiern zusammengestellt und angepasst werden können:

Jiddische Lieder (Info) spielen wir nach wie vor. Es sind traditionelle Lieder, wie z.B. “Lomir ale singen” – ein Lied über Armut und Reichtum, über Brot, Fleisch und Fisch. Und dann spielen wir das vielleicht bekannteste jiddische Lied: “Bey mir bistu scheyn” – in den 1930er-Jahren geschrieben in New York als Song eines jiddischen Broadway-Musicals – Sie hören es natürlich im Original! Und dann auch noch: “Und als der Rebbe singt” – ein witziges und wohl auch etwas ironisches Lied über die enge Verbindung zwischen dem Rabbi und seinen Chassidim, den Frommen in seiner Gemeinde.

Mordechaj Gebirtig (1877 – 1942) ist einer der wichtigsten jiddischen Liederdichter. Im “Hauptberuf” war er Schreiner in Krakau – in seiner Freizeit dichtete und erfand die Melodien dazu, die sein Nachbar, der Musiklehrer des Krakauer Gymnasiums, dann aufschrieb, weil Gebirtig keine Noten lesen und schreiben konnte.  Wir spielen u.a. “Reyzele”: Das Mädchen ist die Freundin von David, der abends zu ihrem Haus geht, auf sie wartet und dann gibt es ein bisschen Krach mit der Mutter von Rejzele… Wir spielen “Avremil, der Marwikher” – das Lied über einen Taschendieb. Gebirtig beschreibt ein Leben, das keinen anderen Ausweg aus der Not sieht, als kriminell zu werden. Aber Gebirtig weckt Verständnis  –  hier zeigt sich der sozialistische Hintergrund des Dichters, er war Mitglied des Algemeyner Yidisher Arbeiter Bund in Lite, Poyln un Rusland. Der “Arbetlose-Marsch” ist eines seiner bekanntesten Lieder und wurde auch durch Brecht und Weill aufgenommen. Eines seiner letzten Lieder entstand kurz vor Gebirtigs Ermordung: “Blajb gesund mir, Kroke” – tief verbunden ist er mit der Stadt seiner Vorfahren, die er nicht verließ, obwohl er Gelegenheit zur Flucht gehabt hätte.

Die Auswanderung der europäischen Juden nach Amerika (Wiki) ließ viele Lieder entstehen. Aus allen Teilen Europas suchten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr Menschen ihr Glück in der “Neuen Welt”. Auf die Vereinigten Staaten von Amerika richteten sich die Hoffnung auf Freiheit und wirtschaftlichen Erfolg. Auch viele Juden wanderten aus. Es entstand in der Neuen Welt eine ganz eigene Mischung aus traditioneller jiddischer Musik, Elementen des Jazz und den musikalischen Stilen der anderen Einwanderer. Die Erfahrungen der MigrantInnen spiegeln sich in Liedern wie “Wot ken you mach, es is Amerike”, der “Grinen Kusine” und am allerbekanntesten: “Bey mir bistu scheyn” aus dem Jahr 1932. Das Lied stammt aus einem jiddischen Broadway-Musical und ist wohl auf der ganzen Welt verbreitet. Wir singen es mit dem originalen jiddischen Text.

Klezmer ist die traditionelle jiddische Instrumentalmusik in Osteuropa. Seit einigen Jahren wird wieder mehr und mehr Klezmer gespielt und vermischt sich auch mit anderen Musikstilen. Wir spielen Hora und Hochzeitsmusik, Nigun und Sirb.

Fotografien von Roman Vishniac aus den Jahren 1935 bis 1939 machen die Welt des Ostjudentums anschaulich – wir haben Beamer und Bilder dabei.

Die jiddische Sprache hat sich aus mittelhochdeutschen, hebräischen und slawischen Wurzeln heraus entwickelt und war das ganz spezifische Idiom der Juden in Osteuropa, aber auch im Westen. Viele Ausdrücke und Wörter des heutigen Deutsch sind jiddischen Ursprungs: “Pleite gehen” ist jiddisch, ebenso die Wünsche “ein guter Rutsch” an Neujahr und “Hals- und Beinbruch” vor einem schwierigen Unterfangen. In einem sog. Crashkurs Jiddisch führen wir in den Hintergrund dieser alltäglich benutzten Worte ein.

Es gibt viele Geschichten und Romane (Info) über die Welt des Stetl. In unserem Programm kommt mit einer Erzählung von  Isaac Bashevis Singer die Stimmung und die Atmosphäre des Stetl dichterisch zu Gehör, ebenso wie der subtile, tiefgründige und selbstkritische jiddische Humor.

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